Elektromobilität in der Schweiz: Was zu beachten ist
Batterie, Reichweite und Ladeleistung: Das solltest du wissen, bevor du dich für eine E-Occasion entscheidest.

Elektroauto gebraucht kaufen: Passt eine E-Occasion zu dir?
Elektroautos sind längst auch auf dem Occasionsmarkt angekommen. Die Auswahl wächst und gebrauchte Modelle sind oftmals deutlich günstiger als vergleichbare Neuwagen. Gleichzeitig stellen sich beim Kauf andere Fragen als bei einem Benziner oder Diesel: Wie gut ist die Batterie noch? Reicht die Reichweite für meinen Alltag? Und wie schnell lässt sich das Fahrzeug laden?
Wir zeigen dir, wie du herausfindest, ob ein Elektroauto zu deinem Mobilitätsprofil passt und worauf du beim Kauf einer E-Occasion besonders achten solltest.
Passt ein Elektroauto zu deinem Alltag?
Bevor du einzelne Modelle vergleichst, solltest du dein eigenes Fahrverhalten betrachten. Entscheidend ist nicht, welches Elektroauto die grösste Batterie besitzt, sondern welche Reichweite und Lademöglichkeiten du tatsächlich benötigst.
Stelle dir dazu folgende Fragen...
Kann ich zu Hause oder am Arbeitsplatz laden?
Wie häufig fahre ich längere Strecken?
Wie lange bin ich normalerweise ohne Pause unterwegs?
Benötige ich viel Platz oder eine Anhängelast?
Wer hauptsächlich kurze Arbeitswege und Alltagsfahrten zurücklegt, benötigt meist keine maximale Reichweite. EnergieSchweiz nennt als Beispiel einen Arbeitsweg von jeweils 20 Kilometern: Bei fünf Arbeitstagen kann je nach Fahrzeug bereits eine Aufladung pro Woche genügen.
Besonders bequem ist ein Elektroauto, wenn es zu Hause oder am Arbeitsplatz geladen werden kann. Das Laden an der eigenen Wallbox ist in der Regel günstiger als das regelmässige Laden an öffentlichen Schnellladestationen. Ohne private Lademöglichkeit solltest du deshalb vor dem Kauf prüfen, welche Ladestationen sich in deiner Umgebung befinden und welche Preise dort gelten.
Ein Elektroauto kann auch für Langstrecken geeignet sein. Wer regelmässig weite Strecken zurücklegt, sollte jedoch nicht nur auf die Reichweite, sondern auch auf die Ladegeschwindigkeit achten.
Wie gut ist die Batterie noch?
Die Antriebsbatterie ist das wichtigste und teuerste Bauteil eines Elektroautos. Entsprechend gross ist die Sorge, dass sie bei einer E-Occasion bereits stark abgenutzt sein könnte.
Grundsätzlich verlieren Lithium-Ionen-Batterien mit der Zeit und durch ihre Nutzung einen Teil ihrer Kapazität. Das bedeutet jedoch nicht, dass eine ältere Batterie automatisch ersetzt werden muss. Moderne Elektroautos verfügen über ein Batteriemanagementsystem, das unter anderem Temperatur und Spannung überwacht und die Batterie vor schädlichen Betriebszuständen schützt.
Auskunft über den aktuellen Gesundheitszustand gibt der sogenannte State of Health, kurz SOH. Ein SOH von 90 Prozent bedeutet vereinfacht, dass die Batterie noch rund 90 Prozent ihrer ursprünglichen nutzbaren Kapazität besitzt.
Bei vielen Herstellern gilt für die Antriebsbatterie eine Garantie von acht Jahren beziehungsweise 160’000 Kilometern. Häufig wird dabei eine Restkapazität von mindestens 70 Prozent garantiert. Die genauen Bedingungen unterscheiden sich jedoch nach Hersteller und Modell und sollten deshalb immer einzeln geprüft werden.
Beim Kauf einer Elektro-Occasion solltest du dir den Batteriezustand möglichst mit einem unabhängigen Test oder einem Batteriezertifikat nachweisen lassen. Eine Reichweitenanzeige im Fahrzeug allein reicht dafür nicht aus, da sie unter anderem vom bisherigen Fahrstil und vom aktuellen Verbrauch beeinflusst wird. Auch Prüfprotokolle, eine vollständige Servicehistorie und Informationen über verbleibende Garantieansprüche sind wertvoll.
Ein Defekt bedeutet zudem nicht zwangsläufig, dass die komplette Batterie ausgetauscht werden muss. Je nach Aufbau und Schaden können einzelne Module oder Komponenten repariert beziehungsweise ersetzt werden.
Reichweite und Ladeleistung realistisch beurteilen
Die vom Hersteller angegebene WLTP-Reichweite ermöglicht einen Vergleich zwischen verschiedenen Fahrzeugen. Sie entspricht aber nicht unter allen Bedingungen der Reichweite im Alltag.
Wie weit ein Elektroauto tatsächlich kommt, hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab...
• Energieverbrauch des Fahrzeugs
• Geschwindigkeit und Fahrstil
• Aussen- und Batterietemperatur
• Heizung und Klimaanlage
• Beladung und Topografie
• Reifen und Strassenverhältnisse
Besonders auf der Autobahn und bei tiefen Temperaturen kann die tatsächliche Reichweite deutlich unter dem offiziellen Wert liegen. Laut EnergieSchweiz benötigen Elektroautos im Winter durchschnittlich etwa 10 bis 30 Prozent mehr Energie als in der warmen Jahreszeit. Bei Minustemperaturen und kurzen Strecken kann der Mehrverbrauch noch höher ausfallen.
Für die Kaufentscheidung solltest du deshalb nicht nur nach der maximalen Reichweite fragen. Überlege dir, welche Strecke das Fahrzeug auch im Winter und nach einigen Jahren Batterienutzung noch zuverlässig bewältigen sollte.
AC oder DC: Wie schnell lädt das Fahrzeug?
Beim Laden wird zwischen AC- und DC-Laden unterschieden:
AC-Laden erfolgt normalerweise zu Hause, am Arbeitsplatz oder an einer öffentlichen Normalladestation. Viele Fahrzeuge laden an einer Wallbox mit 11 kW. Damit können je nach Verbrauch ungefähr 50 Kilometer Reichweite pro Stunde nachgeladen werden.
DC-Laden wird hauptsächlich an Schnellladestationen genutzt. Dabei wird der Gleichstrom direkt in die Batterie eingespeist. Diese Ladeart ist besonders wichtig, wenn du regelmässig längere Strecken fährst.
Die vom Hersteller angegebene maximale Ladeleistung sagt allerdings nicht alles aus. Entscheidend ist auch, wie lange das Fahrzeug diese Leistung aufrechterhalten kann. Aussagekräftiger sind deshalb die durchschnittliche Ladeleistung und die benötigte Zeit für einen Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent.
Vergleiche vor dem Kauf deshalb...
• maximale DC-Ladeleistung
• Ladezeit von 10 auf 80 Prozent
• vorhandene Ladeanschlüsse
• mitgelieferte Ladekabel
• Möglichkeit zur Batterie-Vorkonditionierung
Ein Fahrzeug mit grosser Reichweite, aber langsamer DC-Ladung kann auf langen Reisen unpraktischer sein als ein effizienteres Modell mit kleinerer Batterie und schneller Ladeleistung.
Was sollte bei einer E-Occasion geprüft werden?
Auch bei einem Elektroauto gelten die üblichen Regeln des Occasionskaufs. Karosserie, Fahrwerk, Reifen, Bremsen, Innenraum, Elektronik und Servicehistorie müssen sorgfältig kontrolliert werden.
Zusätzlich solltest du bei einer E-Occasion folgende Punkte prüfen lassen:
Batterie und Hochvoltsystem
Neben dem SOH sollten das Batteriegehäuse und der Unterboden auf sichtbare Beschädigungen kontrolliert werden. Besonders nach einem Unfall oder einem starken Aufsetzen können Schäden am Batteriegehäuse relevant sein.
Frage zudem nach früheren Batterieschäden, Reparaturen, Rückrufen und ausgeführten Softwareupdates. Diese Angaben sollten nach Möglichkeit schriftlich festgehalten werden.
Ladefunktion und Zubehör
Teste, ob das Fahrzeug sowohl an einer AC-Ladestation als auch – sofern vorhanden – an einer DC-Schnellladestation korrekt lädt. Kontrolliere ausserdem den Zustand der Ladekabel und ob das im Angebot aufgeführte Zubehör vollständig vorhanden ist.
Reifen und Bremsen
Elektroautos sind aufgrund ihrer Batterie häufig schwerer als vergleichbare Verbrenner. Das hohe Drehmoment kann zusätzlich zu einem erhöhten Reifenverschleiss führen.
Auch die Bremsanlage verdient Aufmerksamkeit. Durch die Rekuperation werden die mechanischen Bremsen teilweise weniger genutzt. Das reduziert zwar den Verschleiss, kann aber bei geringer Nutzung Rost oder schwergängige Komponenten begünstigen.
Servicehistorie und Garantie
Auch ein wartungsärmeres Elektroauto benötigt regelmässige Inspektionen. Eine vollständige Dokumentation ist besonders wichtig, wenn noch Garantie auf die Batterie oder andere elektrische Komponenten besteht. Fehlende Wartungen oder nicht durchgeführte Serviceaktionen können die Durchsetzung späterer Garantieansprüche erschweren.
Eine professionelle Occasionprüfung reduziert das Risiko, versteckte Mängel zu übersehen. Bei einem E-Occasionstest werden neben der elektrischen Technik auch Fahrwerk, Bremsen, Räder, Bordelektrik und weitere Fahrzeugkomponenten kontrolliert.
Fazit: Nicht nur auf die maximale Reichweite achten
Eine gebrauchte Batterie ist kein Grund, grundsätzlich auf eine E-Occasion zu verzichten. Entscheidend ist, dass das Fahrzeug zu deinem Alltag passt und sein Zustand transparent dokumentiert ist.
Prüfe vor dem Kauf insbesondere...
• den SOH und die verbleibende Batteriegarantie
• die reale Reichweite im Sommer und Winter
• die AC- und DC-Ladeleistung
• den allgemeinen Fahrzeugzustand und die Servicehistorie
So lässt sich besser beurteilen, ob Preis, Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Batteriezustand wirklich zusammenpassen.
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Quellen
ADAC: Test E-Autos (2026): So hoch sind Reichweite und Verbrauch wirklich (Abrufdatum: 25.07.2026)
https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/elektromobilitaet/elektroauto/stromverbrauch-elektroautos-adac-test/
ADAC: Elektroauto-Batterie: Lebensdauer, Garantie, Reparatur (Abrufdatum: 25.07.2026)
https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/elektromobilitaet/laden/elektroauto-batterie/
ADAC: Elektroauto kaufen: Sieben-Punkte-Check für die richtige Entscheidung (Abrufdatum: 25.07.2026)
https://www.adac.de/fahrzeugwelt/magazin/e-mobilitaet/entscheidung-e-auto-kaufen/
TCS: Alles rund um die Elektromobilität (Abrufdatum: 25.07.2026)
https://www.tcs.ch/de/testberichte-ratgeber/ratgeber/elektromobilitaet/


